Top Header Top Header
Sie befinden sich auf: Home »Gesundheit & Ernährung » Geborgenheit
Babyguide Content Header

Geborgenheit & Selbstvertrauen

1. Was braucht ein Baby, um sich geborgen zu fühlen und in der Welt heimisch zu werden?

Das Allerwichtigste für ein Neugeborenes ist die Nähe und Zuwendung der Eltern: berührt, getragen, gefüttert zu werden und von wohliger Wärme umgeben zu sein. Das sind die Bedingungen, die dem Baby Geborgenheit vermitteln, weil sie ihm schon aus der Zeit im Mutterleib vertraut sind. Deshalb sollten Eltern ihr Baby niemals allein lassen, wenn es weint. Sie sollten auch nicht auf wohlbekannte Ratschläge wie diese hören: „Bloß nicht nachgeben, sonst verwöhnt ihr euer Kind und es lernt niemals, selbstständig zu werden!“ Wenn ein Baby schreit, braucht es Nähe und Aufmerksamkeit. Und wenn die Eltern entsprechend darauf reagieren, lernen sie, die Bedürfnisse ihres Kindes immer besser zu verstehen, und helfen ihm, sein körperliches und seelisches Gleichgewicht zu finden.

2. Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Pucken, von dem man in letzter Zeit immer öfter hört?

Pucken bedeutet, den Körper des Kindes zur Schlafenszeit stramm in Tücher einzuwickeln, damit sich das Kind eng umschlossen und geborgen fühlt wie einst im Mutterleib. Ein Baby, das auf diese Weise an seine vorgeburtlichen Erfahrungen anknüpfen kann, beruhigt sich erfahrungsgemäß viel leichter und findet besser in den Schlaf. Es gibt verschiedene Puckmethoden — von einfach bis aufwändig. Besonders praktisch ist ein Ganzkörper-Pucksack mit Klettverschlüssen, bei dem das umständliche Wickeln und Fixieren der Tücher entfällt. Doch egal, welche Methode man wählt: Richtig angewendet hat das Pucken immer den Sinn, dass das Baby seinen Körper gut spüren kann und dadurch Halt und Sicherheit erfährt.Mama und Schnullerbaby

3. Gibt es noch andere Möglichkeiten, an die Erfahrungen im Mutterleib anzuknüpfen?

Sehr zu empfehlen ist vor allem das Tragen in einem Tragetuch. Denn auch der enge Körperkontakt mit der Mutter und die damit verbundenen Schaukelbewegungen sind für das Baby vertraute Sinneseindrücke, die es schon aus der Zeit im Mutterleib kennt. Hinzu kommt, dass die Enge im Tragetuch einen ganz ähnlichen Effekt hat wie das Pucken: Das Baby erlebt einen festen Halt, es spürt seinen Körper und fühlt sich geborgen.

4. Warum ist eine gute Körperwahrnehmung für ein Kleinkind überhaupt so wichtig?

Für unsere Körperwahrnehmung sind grundsätzlich drei Sinne verantwortlich, nämlich der Haut oder Tastsinn, der Muskel- und Stellungssinn und der Gleichgewichtssinn. Diese drei so genannten Grundsinne sind (wie übrigens alle sieben Sinne) schon bei der Geburt relativ gut ausgebildet. Sie müssen sich aber in den ersten Lebensjahren noch weiterentwickeln. Von dieser Entwicklung hängt es hauptsächlich ab, wie sehr sich ein Kind in seinem Körper zu Hause fühlt und wie viel Körpergeschick es im Lauf der Zeit entwickelt. Das fängt schon bei den scheinbar ganz banalen, alltäglichen Handgriffen an: Eine Jacke zuknöpfen, einen Reißverschluss zuziehen oder Schuhe binden — solche Aufgaben kann ein Kind nur dann ohne Schwierigkeiten erlernen, wenn seine drei Grundsinne gut funktionieren und optimal zusammenarbeiten.

5. Was können Eltern in dieser Hinsicht für die Entwicklung ihres Kindes tun?

Sobald das Kind laufen kann, sollten es die Eltern nach und nach in alltägliche Tätigkeiten einbeziehen. Es gibt viele Aufgaben im Haushalt, bei denen schon kleine Kinder mithelfen können: Beim Saubermachen, Teigrühren oder —kneten zum Beispiel trainiert das Kind sehr effektiv seine Körperwahrnehmung und Geschicklichkeit. Wichtig ist außerdem, mit dem Kind täglich ins Freie zu gehen und ihm dabei viel Bewegungsfreiheit zu gönnen. So lernt es, seine Körperfähigkeiten ausgiebig zu erproben und gewinnt immer mehr Selbstvertrauen. Auch Förderspiele haben eine große Bedeutung. Denn nur durch häufiges Üben und Wiederholen kann sich das Körpergeschick des Kindes optimal entfalten. Am besten wählt man dafür Fühl-, Krabbel-, Schaukel- und Bewegungsspiele aus, die dem Kind so viel Spaß machen, dass es von selbst immer wieder nach einer Wiederholung verlangt. In meinem Buch sind viele schöne Anregungen dazu zu finden.

6. Entwickelt sich die Körperwahrnehmung eines Kindes nicht von selber?

Normalerweise entwickeln sich die Sinne und die Wahrnehmung des Kindes tatsächlich von ganz allein. Wichtig ist nur, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Doch genau hier liegt das Problem: Unsere Lebensweise hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Früher war es gang und gäbe, dass man Kinder in alltägliche Aufgaben einbezog. Heute nehmen uns Maschinen und praktische Haushaltsgeräte einen Großteil der Arbeiten ab. Und den Rest erledigen wir Erwachsene meistens selber, weil es dann viel schneller geht. Oft ist uns dabei nicht bewusst, dass wir unseren Kindern damit viele Chancen nehmen, ihre Körperwahrnehmung und Geschicklichkeit zu entfalten. Auch der zunehmende Bewegungsmangel spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Früher trafen sich die Kinder gewöhnlich im Freien, wo sie gemeinsam spielten und auf Entdeckungsreisen gingen. Heute verbringt ein Kind viele Stunden des Tages im Sitzen — nur allzu oft vor dem Fernseher oder Computer.

7. Was sind Wahrnehmungsstörungen und woher kommen sie?

Wahrnehmungsstörungen können sich bei Kindern im Lauf der ersten Lebensjahre entwickeln. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, zum Beispiel Probleme während der Schwangerschaft oder Geburt. Bei einer Wahrnehmungsstörung ist das Gehirn des Kindes nicht in der Lage, einströmende Sinnesreize richtig zu verarbeiten. Das zieht wiederum andere Probleme nach sich, zum Beispiel Störungen der Grob- oder Feinmotorik. Hier können Eltern effektiv vorbauen, indem sie ihr Kind von Anfang an behutsam fördern und dadurch seine körperliche Entwicklung günstig beeinflussen. Auch hierzu werden in meinem Buch verschiedene Anregungen gegeben.

Rita Steininger arbeitet als freie Lektorin und Autorin mit den Schwerpunkten Erziehung, Gesundheit und Entwicklungsförderung. Im Klett- Cotta Verlag sind bereits mehrere Elternratgeber von ihr erschienen. Die Autorin ist Mutter von zwei Kindern.

Geborgenheit und Selbstvertrauen

Buchtipp:

Geborgenheit und Selbstvertrauen. Wie Babys und Kleinkinder ein gutes Körpergefühl entwickeln.

von Rita Steininger

ISBN 978-3-608- 94473-0

Klett-Cotta, 2007

 
powered by shopping.at