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Dr. Katharina Kruppa
Kinderärztin im Preyerschen Kinderspital, Psychotherapeutin
(Systemische Familientherapie, Kindertherapie) Lehrbeauftragte
für Kindertherapie und Säuglingstherapie
Warum suchen Eltern die Baby-Care Ambulanz
auf?
Die Baby Care Ambulanz ist eine Ambulanz für Ess-, Schrei-,
Schlaf- und Stillproblematik in den ersten Lebensjahren. Und das
sind auch die Themen, mit denen Eltern in die Baby Care Ambulanz
kommen. Den größten Anteil nehmen sicher die Mütter
mit Stillproblemen ein, da wir diesbezüglich die einzige
Ambulanz in Wien sind. Die Schwestern, die in der Baby Care
Ambulanz arbeiten sind alle ausgebildete Stillberaterinnen
(IBCLC*). Oft zeigt sich aber in den Stillberatungen auch, dass
sich die Probleme nicht auf das Stillen beschränken, sondern
dass die Babys z.B. viel weinen, die Mütter sich
überfordert fühlen oder zu wenig unterstützt werden,
dann wird die Beratung auch darauf ausgeweitet. Viele Eltern kommen
aber auch mit einem „Schreibaby“. Bei den älteren
Kindern (ab etwa 6 Monaten) betreffen die meisten Probleme das
Schlafen oder das Essen.
* International board certified lactation consultant
Wie unterstützen Sie konkret die Eltern, die Ihre
Hilfe benötigen?
Das hängt natürlich sehr von den Problemen ab, mit denen
die Familien zu uns kommen. Insgesamt aber gehen wir davon aus
– und deswegen haben wir auch unser Buch so genannt –
dass Babys wissen, was sie brauchen, und Eltern auch. Das
heißt wir gehen von der grundsätzlichen Kompetenz von
Eltern und Babys aus, auch wenn sie im Moment gerade diese
Kompetenz gar nicht erleben. Ich würde dazu gerne aus unserem
Buch zitieren: „In unserer täglichen Arbeit sehen wir
folgendes Bild: Die Mutter, dankbar für ihr Kind, aber
müde mit dunkle Ringe unter den Augen; der Vater, stolz auf
seine Familie, aber genauso von Erschöpfung gezeichnet; das
Baby, so winzig und klein, in den Armen der Mutter.“ Die
Eltern beginnen abwechselnd von der Zeit mit ihrem Neugeborenen zu
erzählen, beschreiben unruhige Tage, schlaflose Nächte
und einen völlig neuen Lebensrhythmus. Sie haben
unzählige Fragen, in denen immer wieder die Sorge deutlich
wird, ob sie diesem kleinen Menschenkind überhaupt gerecht
werden können. Sie haben oft viel gehört und gelesen
über das Leben mit einem Kind, und die Realität ist nun
eine ganz andere. Sie haben viele „gute
Ratschläge“ bekommen, die wenigsten passen für
sie... Wenn wir mit diesen Eltern reden, ihnen zuhören, die
Geschichten der jungen Familien erfahren, spüren wir oft eine
große Verunsicherung. Aber wir merken auch schnell: es ist
eine Verunsicherung, die nur an der Oberfläche liegt. Denn oft
schon nach wenigen Worten, nach kurzem Kontakt mit den Eltern und
dem Baby kommt ihr eigenes tiefes, inneres Wissen, ihre inneren
Gefühle zu Tage. Es ist ein Wissen, das in allen vorhanden ist
- bei manchen ganz leicht zugänglich, bei manchen tiefer
vergraben.“
Erleben Sie das nicht als Widerspruch, wenn Sie
über die innere Kompetenz der Eltern und Babys
sprechen, und dann in Ihre Ambulanz gerade Menschen
kommen, die nicht mit ihrer Situation fertig
werden?
Nein, wir erleben das nicht als Widerspruch. Im Gegenteil, gerade
die Arbeit mit diesen scheinbar oft so verzweifelten Familien
überzeugt uns immer wieder von der unglaublichen Kompetenz,
die in den Babys und in den Eltern liegt, meist nur wenig
verschüttet. Mutter und Kind sind wie Magnete, die die
gegenseitige Anziehungskraft in jeder Lebenslage spüren:
Außer es sind Hindernisse dazwischen. Und durch unsere Arbeit
versuchen wir diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen und den
natürlichen Zugang zwischen Mutter und Kind wieder
herzustellen.
Beschreiben Sie hier eher einen kurzen
Arbeitszeitraum, oder besteht auch die Möglichkeit,
dass Sie Familien über einen längeren Zeitraum
betreuen?
Es ist beides möglich, beides kommt vor. Prinzipiell nehmen
wir uns pro Sitzung 50-60 Minuten Zeit. Und oft reicht eine, oder
einige wenige Sitzungen aus, und die Eltern und Babys finden einen
harmonischen, guten Weg miteinander. Es gibt aber auch Familien,
gerade solche, die erschwerte Startbedingungen hatten, wie z.B.
Frühgeburten, die wir in weiteren Abständen über
viele Monate hinweg betreuen.
Welche Tipps können Sie den Eltern im vorhinein
schon geben?
Prinzipiell versuchen wir auf Tipps zu verzichten weil jedes Baby
anders ist, jede Mutter anders ist, jeder Vater anders ist. Und
die, die am besten wissen, was für sie gut ist, sind eben
diese drei. Unsere Aufgabe sehe ich nur darin, ihnen zu helfen,
wieder diese ihre ureigensten Instinkte zu spüren. Vielleicht
ist das aber der „Tipp“, den ich allen Eltern geben
kann: Hören Sie auf sich und auf Ihr Baby, dann liegen Sie
sicher richtig!
Baby-Care Ambulanz Ambulanz für
Ernährungs-, Still-, Schrei- und Schlafproblematik in den
ersten Lebensjahren
Preyersches Kinderspital
Ambulanzzeiten:
Mo, Mi, Do, Fr 8.00 - 16.00 Uhr , Di 8.00 -18.00 Uhr
Telefonische Voranmeldung unter 60 113/2422 unbedingt
erforderlich.
Buchtipp:
Babys wissen, was sie brauchen, und Eltern auch
von Katharina Kruppa, Astrid Holubowsky
Herder Spectrum
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