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Medizinische Möglichkeiten
vorgeburtlicher (pränataler) Untersuchungsmethoden versuchen
möglichst früh über Krankheits- und
Fehlbildungsrisiken Auskunft zu geben. Zum einen können
dadurch im Hinblick auf die Geburt adäquate Vorbereitungen
getroffen und somit eine optimale medizinische Versorgung
gewährleistet werden. Zum anderen können daraus im Falle
eines unerwünschten Untersuchungsergebnisses auch weitreichend
Fragen und Verunsicherungen resultieren. Demzufolge kann
vorgeburtliche Diagnostik beruhigen, aber auch verunsichern.
Vorgeburtliche Diagnostik bietet keine
hundertprozentige Sicherheit dafür, dass Ihr Kind gesund sein
wird und auch ein auffälliges Untersuchungsergebnis muss nicht
unbedingt bedeuten, dass Ihr Kind eine Erkrankung oder Fehlbildung
hat („falsch-positiver Befund“).
Es ist daher wichtig, dass Sie sich vorher gut
überlegen, ob und warum Sie welche Untersuchung machen lassen
und was im Falle eines unerwünschten Untersuchungsergebnisses
geschehen soll. Um zu einer für Sie passenden Entscheidung zu
finden, ist es notwendig, sich Zeit zu geben, um die Entscheidung
reifen zu lassen, und sich umfassend über Nutzen und Risiken
der Untersuchungen zu informieren.
Ultraschalluntersuchung
Es werden über einen stabförmigen
Schallkopf Schallwellen auf die Gebärmutter und das Ungeborene
ausgesandt. Je nach Dichte des Gewebes werden unterschiedliche
Echos reflektiert, die in ein Bild umgesetzt werden.
Ultraschalluntersuchungen sind während der gesamten
Schwangerschaft möglich.
Vaginaler
Ultraschall:
Der Schallkopf wird durch die Scheide bis an
die Gebärmutter geführt.
Ultraschall über die
Bauchdecke:
Der Schallkopf wird über den Bauch der
Schwangeren bewegt.
Was kann mittels Ultraschall
sichtbar
gemacht werden?
1. Schwangerschaftsdrittel
_ Herzaktionen
_ Erkennen von Mehrlingen
_ Ausschluss einer
Eileiterschwangerschaft
2. Schwangerschaftsdrittel
_ Hinweis auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) durch
Nackenfaltenmessung
_ Ausbildung einzelner
Organe
_ Lage und Struktur der Plazenta
(Mutterkuchen)
3. Schwangerschafts-Drittel
_ Lage und Wachstum des
Kindes
_ Fruchtwassermenge
_ Länge und Geschlossenheit des
Gebärmutterhalses
Diagnostik der Trisomie 21
(Down-Syndrom)
Die Nackenfaltenmessung ist eine spezielle
Ultraschalluntersuchung zwischen der 11. und 14.
Schwangerschaftswoche, bei der die Flüssigkeitsansammlung im
Nackenbereich des Ungeborenen bestimmt wird. Die
Nackenfaltenmessung sollte mit einer Bestimmung von mehreren
Hormonen im Blut der Schwangeren kombiniert werden, um eine
genauere Risikoabschätzung zu ermöglichen. Eine exakte
Diagnose bei erhöhtem Risiko ist nur durch eine
Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) oder eine
Chorionzottenbiopsie möglich.
Folgendes sollten Sie
beachten:
Die Schwangere muss vor diesen Untersuchungen
gut über die Art des Ergebnisses informiert sein und muss sich
selbst über dessen Bedeutung klar sein. Es können durch
weitere eventuell notwendige Untersuchungen (Risiko von
Fehldiagnosen), durch beunruhigende Bemerkungen oder unzureichende
Erklärungen Ängste und Verunsicherungen ausgelöst
werden.
Triple-Test (Combined
Test)
Zwischen der 16. und 21. Schwangerschaftswoche
werden drei unterschiedliche Blutwerte bestimmt, die mit dem Alter
der Frau, deren Gewicht, dem Schwangerschaftsalter und dem Ergebnis
der Nackentransparenz in Beziehung gesetzt werden. Mittels
Computerprogramm wird jene Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der
ein höheres oder niedrigeres Risiko angezeigt wird, ein
behindertes Kind zu bekommen. Die Wartezeit bis zum Vorliegen des
Untersuchungsergebnisses dauert etwa ein bis zwei Wochen.
Was sagt das Untersuchungsergebnis
aus?
Berechnung des Risikos (statistische
Wahrscheinlichkeit), für folgende
Fehlbildungen:
_Trisomie 21 (Down Syndrom)
Trisomie 21 ist eine Chromosomenabweichung.
Das Risiko, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, steigt mit
zunehmendem Lebensalter der Frau geringfügig
an.
_ Neuralrohrdefekte
Ein Neuralrohrdefekt (offener Rücken) ist
eine Fehlbildung, bei der die Wirbelsäule an einer Stelle des
Rückens nicht vollständig geschlossen ist. Die Höhe,
Größe und vor allem eventuell zusätzliche
Fehlbildungen können pränatal diagnostiziert werden und
sind für die Prognose wichtig.
Folgendes sollten Sie
beachten:
Das Untersuchungsergebnis des combined test
liefert keine eindeutigen Aussagen sondern nur eine
Wahrscheinlichkeit über eine tatsächliche Behinderung des
Kindes.
Fruchtwasseruntersuchung
(Amniozentese)
Zwischen 14. und 20. Schwangerschaftswoche
wird unter Ultraschallkontrolle eine Hohlnadel durch
die
Bauchdecke in die Gebärmutter der Frau
eingeführt und Fruchtwasser entnommen. Dieses enthält
Zellen des Kindes, die danach kultiviert werden, bis eine
Chromosomenuntersuchung durchgeführt werden kann. Die
Wartezeit auf das Untersuchungsergebnis dauert etwa zwei bis drei
Wochen.
Was kann mittels Fruchtwasseruntersuchung
festgestellt werden?
_ Chromosomenabweichungen
_ Neuralrohrdefekte
_ Stoffwechselerkrankungen
_ Muskelerkrankungen
_ Geschlecht
Folgendes sollten Sie
beachten:
_ Das Risiko durch eine
Fruchtwasseruntersuchung eine Fehlgeburt auszulösen, liegt bei
ca. 0,5 —1 Prozent. _ Es können nach dem Eingriff Wehen,
Krämpfe, Fruchtwasserverlust und Blutungen
auftreten.
_ Eine Wiederholung der Untersuchung kann
notwendig sein.
_ Die lange Wartzeit auf das
Untersuchungsergebnis kann für die schwangere Frau eine
große psychische Belastung bedeuten.
_ Da das Untersuchungsergebnis erst zu einem
relativ späten Schwangerschaftszeitpunkt vorliegt, muss bei
einem etwaigen Abbruch nach einem auffälligen Befund die
Geburt eingeleitet werden.
_ Therapeutische Möglichkeiten nach
festgestellter Erkrankung und Fehlbildung sind sehr gering.
Chorionzottenbiopsie oder
Plazentabiopsie
Mittels Katheder oder Hohlnadel wird durch die
Scheide oder durch die Bauchdecke Gewebe aus Chorionzotten
(kindliche Anteile des späteren Mutterkuchens) oder dem
Mutterkuchen entnommen. Die Untersuchung kann bereits zwischen der
9. und 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden und die
Wartezeit auf das Ergebnis ist relativ kurz.
Was kann mittels Chorionzottenbiopsie
festgestellt werden?
_ Chromosomenabweichungen
_ Stoffwechselerkrankungen
_ Muskelerkrankungen
_ Geschlechtsbestimmung
Folgendes sollten Sie
beachten:
_ Relativ hohes Fehlgeburtsrisiko je nach
Erfahrenheit der Ärztin/des Arztes.
_ Bei auffälligen Befunden gibt es in den
meisten Fällen keine Therapie.
_ Fehldiagnosen können
vorkommen.
_ Schädigungen am Fötus sind
möglich.
_ Nach dem Eingriff können Schmerzen und
Blutungen auftreten.
_ Die Untersuchung muss unter Umständen
wiederholt werden.
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