Baby-Öl-Massage, das Baby-Abhyanga
Jana Köbler – Physiotherapeutin, Yogalehrerin,
Ayurveda Wohlfühl Praktikerin
Experteninterview
Was ist die Baby-Öl-Massage?
Die traditionelle indische Baby-Öl-Massage (Baby- Abhyana)
ist eine wunderschöne Art der sanften Berührung, eine
liebevolle und wirksame Methode, dem Baby sehr nah zu kommen und
sein Wohlbefinden zu stärken. Berührung ist für das
Baby ebenso wichtig wie Nahrung. Das Bedürfnis der Nähe
gehört zu den wichtigsten Bedürfnissen der Babys und
Kleinkindern. Der Körperkontakt, Liebe und Zärtlichkeit
spielen für die gesamte Entwicklung des Menschen im Sinne der
emotionalen und sozialen Kompetenz eine entscheidende Rolle. Wenn
das Bedürfnis der Nähe durch tragen, streicheln, halten,
trösten, massieren, kuscheln intensiv ohne Einschränkung
gestillt wird, befinden sich im Gehirn des Kindes
Glückshormone (Oxytocin und Opioiden) , die dem Baby ein
herrliches, befriedigendes Gefühl der Geborgenheit ermitteln.
Je öfter die Glückshormone im Körper vorhanden sind,
desto glücklicher, friedlicher und ausgeglichener verhält
sich das Kind. Körperkontaktmangel, weinen, schreien, allein
sein verursachen wiederum Freisetzung von Stresshormonen.
Regelmäßige Massage unterstützt daher sowohl die
körperliche, geistige als auch die seelische Entwicklung des
Kindes. Und eine große Bedeutung spielt natürlich die
Intensivierung und Vertiefung der Eltern- Kind-Bindung.
Wie wirkt das Abhyanga auf das Baby?
Die regelmäßige Ölmassage hat auf das Baby eine
Reihe positiver Wirkungen.
- stärkt die Verdauungskraft und damit beugt sie
Blähungen und Koliken vor
- verbessert die Durchblutung der Haut und Muskulatur; reguliert
den Muskeltonus
- unterstützt die Durchblutung der Kopfhaut und
fördert einen gesunden Haarwuchs, kräftigt die
Haarwurzeln
- wirkt über die Reflexzonen der Hände und
Füße auf Organ- und Stoffwechselvorgänge
kräftigend und ausgleichend
- baut die Stoffwechseltoxine ab
- stärkt die Abwehrkräfte
- wirkt schlaffördernd
- aktiviert die Freisetzung von Glückshormonen und verhilft
dadurch Stresshormone abzubauen
Ab wann kann das Baby massiert werden? 
In Indien und in Nepal werden Babys vom ersten Tag an
täglich massiert. Die Massage führt in den ersten Tagen
die Mutter der Gebärende oder die Hebamme durch. Auch die
Mütter werden im Wochenbett täglich massiert. Das finde
ich großartig und ich würde es jeder Frau bei uns
„im Westen“ wünschen. Die Regeneration nach einer
Geburt und die Rückbildungsvorgänge werden dadurch stark
beschleunigt. Ich empfehle, sobald es der Frau körperlich gut
geht, mit der Babyölmassage zu beginnen. Wenn sie ihr Baby
viel tragen und im Arm halten, mit ihm reden und summen, werden
natürlich sowohl beim Baby als auch bei ihnen die
Kuschelhormone freigesetzt und das Gefühl der
Glückseeligkeit und Geborgenheit entfaltet sich. Liebevolle
Berührung auf nackte Haut fühlt sich allerdings noch
intensiver an, als wenn man angezogen bleibt. Ich beobachte bei
meinen Babyölmassagekursen wie gut die Berührung mit
warmem Öl den Babys tut. Viele Babys genießen die Massage
von Anfang an, andere brauchen ein wenig Zeit, um es wirklich zu
lieben.
Können auch Frühgeborene massiert werden?
Ja, natürlich. Gerade bei Frühgeborenen ist die
tägliche Massage äußerst wichtig. Dr. Karin Pirc
schreibt in Ihrem Ayurveda Kursbuch für Mutter und Kind, dass
tägliches Streicheln und Berühren (sogar ohne Öl)
die Ausschüttung von Wachstumshormonen bewirkt, so dass diese
„Frühchen“ bei dreimaliger Massage von jeweils
einer Viertelstunde täglich innerhalb von zehn Tagen 47
Prozent mehr Gewicht zunahmen als die
„Nicht-Gestreichelten“.
Wie lange soll eine Massage dauern?
Optimal sind 20-30 Minuten, bei den Allerkleinsten 5-15 Minuten.
Die Raumtemperatur sollte mindestens 24° C sein, in den ersten
3 Lebensmonaten fühlen sich Babys meistens erst mit 26° C
wohl. Ein vorgewärmtes Handtuch als Unterlage hilft dem
Wohlbefinden der Babys in den ersten Lebenswochen.
Welche Tageszeit ist für die Massage laut Ayurveda am
besten?
Ayurveda empfehlt Abhyanga in den Morgenstunden oder am
späten Nachmittag. Sie können ihr Baby gerne sogar
zweimal am Tag massieren. Ungünstig ist die Mittagszeit
(zwischen 11 und 15 Uhr). Für einen harmonischen Ablauf der
Massage sind zwei Faktoren entscheident: Die Raumtemperatur und der
richtige Zeitpunkt. Das Baby darf entweder müde noch hungrig
sein. Babys genießen die Massage wenn sie gut gelaunt (also
ausgeschlafen) sind. Zwischen Mahlzeit und massieren soll
mindestens eine halbe Stunde Pause sein. Wenn ihr Kind die Massage
nicht mag, liegt es höchstwahrscheinlich am
„falschen“ Zeitpunkt. Probieren Sie es auf jeden Fall
am nächsten Tag wieder.
Welches Öl ist gut geeignet?
„Baby-Abhyanga“ heißt wörtlich
übersetzt „das Baby-Ölbad“. Das Baby wird mit
warmem Öl massiert und das Öl dringt durch die
Hautgefäße tief ins Gewebe ein und nährt den
gesamten Organismus. Nach wenigen Minuten sind die Ölessenzen
im Blut nachweisbar. Die Qualität des Öls ist also
entscheidend. Deshalb verwenden wir nur die reinsten Öle aus
erster Kaltpressung, wenn möglich aus kontrolliert
biologischer Anbau. Laut Ayurveda dringt das Sesamöl von allen
Ölen am leichtesten in die feinen Haargefäße der
Haut ein und hat wärmende Wirkung. Sesamöl enthält
mehr Linolensäure als andere Öle und wirkt daher
Entzündungen entgegen. Sesamöl ist von Natur aus ein
starkes Antioxidant, dass heißt, es bindet die den Körper
schädigenden freien Sauerstoffradikale. Sesamöl kann zur
Massage täglich anwenden werden, die Haut trocknet nicht aus.
(Das Baby&Kind Calendula Pflegeöl von Weleda ist reines
hochwertiges Sesamöl mit Ringelblumeextrakt). Babymassage wird
oft mit Mandelöl durchgeführt, die Wirkung vom
Mandelöl ist allerdings kühlend, was für die Babys
nicht so optimal ist.
Warum sollte das Baby anschließend baden?
Das warme Wasser kennt das Baby noch aus dem Mutterleib. Ein
Babybad zum Entspannen wird daher bei der Körperkerntemperatur
von 37-38°C
durchgeführt. Das Baden nach der Ölmassage vertieft ihre
Wirkung, öffnet die Poren der Haut, und die gelösten
Unreinheiten können abtransportiert werden. Das Handling mit
dem „öligem“ Baby ist etwas erschwert, achten sie
unbedingt an die Sicherheit – Ausrutschgefahr! Am besten
tragen sie das Baby mit einer Stoffwindel bis zur Badewanne und
tauchen die Stoffwindel mit ein. Somit können sie ihr Kind
viel besser halten und die Windel als Waschlappen verwenden. Falls
ihr Baby nach der Massage einschläft, kann später, nach
dem Aufwachen gebadet werden. Badezusätze und Shampoo sind
überflüssig. Nach dem Baden verspüren die Kleinen
meistens großen Appetit und schlafen an der Brust oder an der
Flasche friedlich ein. Wenn ihr Baby erst paar Wochen alt ist und
nach dem Massieren immer müde wirkt, nehmen sie lieber etwas
weniger Öl und lassen das Baden aus. Der erholsame tiefe
Schlaf ist in dem Fall wichtiger als Badespaß. Je älter
die Babys werden, desto leichter fällt es einem das
anschließende Bad einzuführen.
Was tun wenn das Baby wegkrabbelt?
Mit dem Mobilwerden muss die Massage manchmal gekürzt
werden, da die Kinder nicht so lange ruhig bleiben. Nach meiner
eigenen Erfahrung hilft spielerische Gestaltung mit Sprüchen,
Rhythmen und Singen. Die Rückenlage ist nicht notwendig, das
Kind kann sitzen, oder später sogar stehen. Die Aufmerksamkeit
hält dann länger an. Zweite Möglichkeit ist eine
Teilmassage. Dem Kind nur die Körperteile massieren, die es
besonderes mag. Wenn es gar nicht geht, dann für einige Zeit
aufhören und nach ein paar Monaten wieder anfangen. Mit
zunehmendem Alter des Kindes steigt wieder das Interesse, massiert
zu werden.
Wann darf das Kind nicht massiert werden?
- Unmittelbar nach dem Stillen/Essen darf nicht massiert
werden!
- Zwischen Mahlzeit und Massage soll mindestens eine halbe
Stunde Pause sein.
- Wenn das Baby Fieber hat oder unter anderen akuten
Erkrankungen und Schmerzen leidet.
Tipp: Mütter/Väter mit Babys und Kindern sind
zu einem Babymassage- oder Kindermassagekurs bei mir herzlich
eingeladen.
Kontakt:
Jana Köbler, Physiotherapeutin und Yogalehrerin nach dem
System Yoga im täglichen Leben
A-1070 Wien, Burggasse 100/11
Tel.: 01 - 52 38 561 oder Mobil: 0676 - 94 19 108
Email: jana@babymassagen.at, www.babymassagen.at
Buchtipps:
•Babymassage von Nasma Scheibler-Shrestha
•Ayurveda Kursbuch für Mutter und Kind von Dr. Karin
Pirc
•Sanfte Hände von Frédérick Leboyer
•Die neue Elternschule von Margot Sunderland
•Babymassage / Praktische Anleitung für Mütter
und Väter von Vimala Schneider